Das passiert außerhalb deiner Komfortzone wirklich

Komfortzone verlassen

Raus, alle müssen raus!

Es brennt!

Und zwar in meiner Komfortzone.

Die ganzen Zitate zum Thema Komfortzone machen mich glauben, dass ich mich auf keinen Fall zu lange dort aufhalten darf.

Was mir aber keiner sagt: Wo soll ich hin?

 

Die berühmte Komfortzone

Wenn ich heute Artikel zum Thema Motivation, Erfolg, Weiterentwicklung, etc. lese, stosse ich immer wieder auf den Begriff Komfortzone. Fast mantra-artig wird immer wieder gepredigt, dass wir uns alle aus unserer Komfortzone hinaus bewegen müssen.

„Life is what happens at the end of your comfort zone.“

„The comfort zone is a beautiful place, but nothing ever grows there.“

„One step is what separates your comfort zone from life.“

Die Komfortzone scheint also ein ganz netter Ort zu sein, an dem aber irgendwie nichts passiert. Um dich zu entwickeln, musst du raus aus deiner Komfortzone.

Aber wohin eigentlich?

 

Das Drei-Zonen-Modell

Das Drei-Zonen-Modell zeigt, was nach der berühmten Komfortzone kommt. Es beschreibt verschiedene Stadien des menschlichen Zustands, in die du während eines Entwicklungsprozesses kommen kannst.

Komfortzone

Im Zentrum steht die Komfortzone. Wissenschaftlich gesehen ist die Komfortzone ein Zustand, in dem wir uns wohl fühlen. Hier können wir alles, wissen alles, haben Erfahrung und sind selbstsicher.

Hier leben wir aber auch in unserer Routine.

Die Komfortzone ist nicht per se schlecht. Sie ist für deinen Alltag und dein seelisches Gleichgewicht sogar extrem wichtig. Sie ist dein Rückzugsort, wenn es mal zu viel wird und du Ruhe brauchst.

Wenn du dich ausschließlich außerhalb dieser Zone aufhältst, kann sich dein Stresslevel nicht mehr absenken. Eine dauerhafte Anspannung ist die Folge.

Für die persönliche Entwicklung ist es trotzdem notwendig, die Komfortzone immer wieder bewusst zu verlassen. Du landest dann entweder in der Entwicklungszone oder in der Angstzone.

Entwicklungszone

Die Entwicklungszone ist ein positiver Stressraum. Du probierst neue Dinge aus und lernst dazu. Die gestellten Aufgaben fordern dich, sie überfordern dich aber nicht. Durch die Erfahrungen in der Entwicklungszone erweiterst du deine Kompetenz und steigerst dein Selbstwertgefühl.

Was dabei genau passiert, erkläre ich weiter unten noch.

Angstzone

Nach der Entwicklungszone kommt die Angstzone. Sie wird auch gerne als Panikzone beschrieben.

Wenn du dich in der Angstzone wiederfindest, bist du einen Schritt zu weit gegangen. Du wirst den Unterschied zwischen der Entwicklungs- und der Angstzone an körperlichen Symptomen erkennen. In der Entwicklungszone hast du ein flaues Gefühl im Bauch, das sich als „nervöse Vorfreude“ beschreiben lässt. Du merkst, dass jetzt etwas Neues kommt und bist gespannt.

In der Angstzone hast du keine Vorfreude mehr. Du fühlst dich unwohl und bist gestresst. In deinem Bauch ist kein flaues Gefühl mehr, sondern ein ausgewachsene Beklemmung.

Vielleicht verspürst du sogar Angst oder Panik. An diesem Punkt solltest du dir die Situation noch einmal vergegenwärtigen.

Reagierst du nur übertrieben oder hast du die Entwicklungszone gerade übersprungen und bist in deiner Angstzone gelandet?

Wenn das der Fall ist, geh wieder einen Schritt zurück. Die Angstzone bringt dich nicht weiter.

 

Vorgänge in der Entwicklungszone

In der Entwicklungszone passieren verschiedene Vorgänge. Die ersten laufen auf physiologischer Ebene ab, die folgenden meistens auf psychologischer.

Wenn du in in der Entwicklungszone bist, muss dein Gehirn mit ungewohnten Situationen klarkommen. Die bisherigen Lösungen funktionieren nicht, Alternativen müssen her. Bei der Lösungssuche bilden sich neue neuronale Verknüpfungen heraus. Die Synapsen werden sozusagen frisch verkabelt.

Das führt zu einer Erweiterung deiner Möglichkeiten. Durch diese neuen Verbindungen hast du deine Problemlösungskompetenz erweitert. Vorher unlösbare Probleme lassen sich mit den neuen Methoden bewerkstelligen. Eine größere Auswahl an Methoden macht dich deutlich flexibler im Kopf. Du hast neue Geräte in deinen Werkzeugkasten gepackt.

Insofern ist an einigen Sprüche zur Komfortzone schon etwas dran. Durch die gerade beschriebene Weiterentwicklung erweiterst du deinen Horizont. Das führt zu mehr Möglichkeiten im Leben. Sei es im Job, beim Hobby, oder in der Partnerschaft.

Zudem wird sich dein Selbstbewusstsein steigern. Je mehr du kannst, desto mehr Situationen gibt es, in denen du dich wohl fühlst. Das steigert deine Sicherheit in diesen Situationen, was andere dann als Selbstbewusstsein wahrnehmen.

 

Entwicklungszonen ausprobieren

Nicht jede Entwicklungszone bringt eine für dich passende Entwicklung.

Vielleicht hast du den Traum Vortragsredner zu werden. Du fühlst dich dummerweise nicht wohl, wenn du vor Menschen sprechen musst. Weil es aber dein Traum ist, gehst du aus deiner Komfort- in deine Entwicklungszone. Du suchst dir zuerst ein kleines Publikum und merkst, dass das mit dem Reden eigentlich doch ganz gut klappt. Du entwickelst dich weiter und kannst später auch vor 50 oder mehr Personen ohne Probleme sprechen.

Irgendwann merkst du aber, dass dir das Vortragsreden überhaupt keinen Spaß macht. Du möchtest lieber 1:1 mit den Leuten reden. Dort kannst du mehr bewegen.

War es deshalb verkehrt diese Entwicklung zu machen?

Nein!

Das ist das Tolle an Entwicklungszonen. Du entwickelst dich weiter. Wenn du merkst, dass es in die falsche Richtung gehst, kannst du immer noch abbrechen. Diese Variante ist immer noch besser, als aus Bequemlichkeit, Angst oder Risikoaversion in der Komfortzone zu verharren.

Denn du hast es in der Realität ausprobiert, anstatt es nur gedanklich zu simulieren.

 

Von der Theorie in die Praxis

Soweit die Theorie. Kommen wir zur Umsetzung.

Bestimmt haben einige von euch schon mal eine „Wir müssen raus aus unserer Komfortzone!“ Rede gehört. Bei solchen Reden gibt es meistens zwei Probleme.

1. Motivation vs Alltag

Viele dieser Reden werden während Workshops oder auf Teambuilding-Seminaren gehalten. Mittwoch bis Freitag wird motiviert und die Komfortzone verteufelt. Am Montag im Büro wartet dann wieder der Alltag. Und der lässt sich nun mal viel besser im Komfortmodus ertragen.

Das gilt übrigens für Angestellte, wie auch für Selbstständige. Ich habe beide Seiten schon erlebt.

2. Radikaler Umbruch

Das zweite Problem ist häufig die Radikalität des gewünschten Umbruchs. Da schnell Ergebnisse geliefert werden müssen, muss das Verlassen der Komfortzone mit Lichtgeschwindigkeit erfolgen. Wie es bei erhöhter Geschwindigkeit oft der Fall ist, schiesst man so schnell über das Ziel hinaus.

Und was liegt hinter dem Ziel (in diesem Fall der Entwicklungszone)? Richtig, die Angstzone.

Viele Leute fühlen sich überfordert und eingeschüchtert, wenn von heute auf morgen alles geändert wird. Dann erreicht der Chef genau das Gegenteil von seinem Ziel. Anstatt mehr Leistung erhält er dann weniger Leistung und mehr Krankmeldungen.

Für die gerade genannten Probleme gibt es aber eine Lösung. Die ist für beide Fälle praktischerweise auch noch identisch.

 

Die Politik der kleinen Schritte

Es ist deutlich einfacher, kleine Dinge zu ändern, als das große Ganze. Mit diesem Gedanken lassen sich auch die beiden oben genannten Probleme lösen.

Der Chef muss mit seinen Mitarbeitern kleine Ziele festlegen. Es werden zuerst kleine Dinge geändert, nicht sofort der gesamte Arbeitsablauf. Wenn der Arbeitnehmer diese verinnerlicht hat, geht es mit den nächsten kleinen Dingen weiter. So entwickelt sich der Arbeitnehmer Schritt für Schritt weiter. Am Ende ist dann der gesamte Prozess umgestellt, der Mitarbeiter weiterentwickelt und der Chef glücklich.

Gut, letzteres ist eher zweitrangig.

Mit dieser Methode wird der Mitarbeiter langsam von seinem Alltag entwöhnt und kann sich in seinem Tempo auf die neuen Prozesse einstellen. So umgeht er den Alltagstrott jeden Tag ein Stück mehr. Zudem wird er nicht von einem radikalen Umbruch überfordert.

Der Prozess gilt für Selbstständige genauso. Es ist einfacher und zielführender, jeden Tag eine Kleinigkeit zu ändern und diese Änderung dann beizubehalten. Wenn du als Selbstständiger sofort alles ändern willst, machst du dir zu viele Baustellen auf und hast keinen Rückzugsort mehr. Dieser ist aber gerade in Zeiten des Umbruchs besonders wichtig.

Jeder braucht ab und zu mal seine Komfortzone.

 

Ich sehe da so

Lieber rein als raus.

Für mich hat „raus müssen“ eine negative Note. Wenn du aus einer Situation / einem Ort / einem Zustand raus musst, dann ist es dort nicht schön. Ich gehe viel lieber irgendwo rein, als dass ich irgendwo raus muss.

Ich muss deshalb nicht raus aus meiner Komfortzone.

Ich will rein in meine Entwicklungszone.

Dort ist es zwar nicht so kuschelig, aber ich entwickele mich weiter. Das ist gerade für mich als Selbstständiger wichtig, weil ich so meine Kompetenzen verbessere, was wiederum meine Arbeit wertvoller macht.

Jedes Mal, wenn ich meine Entwicklungszone betreten und dort Fortschritte gemacht habe, war die Komfortzone danach nicht nur größer, sondern auch viel kuscheliger.

Also, geh rein in deine Entwicklungszone. Nicht für irgendjemanden, sondern für dich selbst. Denn an diesem Punkt haben viele der Motivationssprüche Recht. Das Leben wird wirklich schöner, wenn du dich regelmäßig weiter entwickelst.

Glück auf
Stephan

 



© Unknown | Pxhere, CC0

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