Industrielle Revolution 1.0 bis 4.0 – Diesen Effekt hat die Nummerierung

industrielle Revolution 4

Erst 1,
dann 2,
dann 3,
dann 4.
Schon steht der Roboter vor der Tür.

Die berühmte industrielle Revolution 4.0. Wir stecken mittendrin. Und wie bei jeder grundlegenden Veränderung, hauen sich Befürworter und Gegner die Köpfe ein.

 

Einordnung in die Geschichte

Ich versuche, mich der aufgeladenen Stimmung zu entziehen und sehe mir lieber die Geschichte an. Wo es eine vierte Revolution gibt, muss es ja auch eine erste, zweite und dritte gegeben haben. Wie sind die ausgegangen? Was haben sie für die Menschen bedeutet?

Der Duden versteht unter einer Revolution:

„umwälzende, bisher Gültiges, Bestehendes o. Ä. verdrängende, grundlegende Neuerung, tief greifende Wandlung“ (Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Revolution)

Diese Definition passt zu den industriellen Revolutionen 1.0 bis 4.0. Sie alle haben gemein, dass sich die Arbeit und das Leben der Menschen durch die Neuerungen grundlegend verändert haben.

 

Ein psychologischer Effekt

Die einzelnen Entwicklungsstufen zu nummerieren hat außer der reinen Katalogisierung aber noch einen anderen Effekt. Dieser ist psychologischer Natur.

Die Bezeichnung der Digitalisierung als industrielle Revolution 4.0 zeugt von einer Konstanz. Sie sagt den Menschen: „Seht her, die Revolutionen 1.0 bis 3.0 haben die Menschheit vorangebracht. Das wird mit 4.0 auch so sein. Es scheint jetzt hart zu sein, aber nachher wird es uns allen besser gehen.“

Kontinuität ist für viele Menschen eine wichtige Sache. Neues bringt grundsätzlich Unsicherheit, allein schon weil es neu ist. Um den Menschen die Angst vor tief greifenden Änderungen zu nehmen, kann man diese einordnen und mit früheren Geschehnissen vergleichen. So haben die Leute die Möglichkeit, die aktuellen mit vergangenen Ereignissen zu vergleichen. Wenn man eine Vergleichsgröße hat, wird die Unsicherheit reduziert. Indem wir die neueste Umwälzung „Industrielle Revolution 4.0“ nennen, setzen wir sie in eine Reihe mit den drei vorherigen.

Die industriellen Revolutionen haben den Menschen viele Vorteile gebracht. Rückwirkend betrachtet waren sie eine Bereicherung. Das haben die Leute während der Umstellungen nicht immer so empfunden, denn sie mussten sich erst an die neuen Umstände gewöhnen.

Schlussendlich erleichterten die Veränderungen aber allesamt den Alltag und haben zu einem besseren Leben geführt. Auch damals gab es viele Pessimisten, die das Ende der menschlichen Arbeitskraft gesehen haben. Am Ende haben aber alle Revolutionen mehr Arbeitsplätze und durchschnittlich auch mehr Wohlstand geschaffen.

In Zeiten von Social Media haben die Gegensprecher der Digitalisierung ein ungleich größeres Sprachrohr als es noch ihre Vorgänger zu Zeiten der Dampfmaschine hatten. Entsprechend lauter und effektiver verbreiten sie auch ihre Bedenken, die die Menschen dann verunsichern. Das soll nicht heißen, dass die Kritiker pauschal unrecht haben. Im Gegenteil, in vielen Punkten – Stichwort Datenschutz – sind die Bedenken sogar berechtigt.

 

Die industrielle Revolution 1.0 bis 4.0

Trotzdem sehe ich diesen Fortschritt als Chance und erkläre dir auch gerne warum. Dazu sehe ich mir an, was uns die bisherigen industriellen Revolutionen gebracht haben.

Industrielle Revolution 1.0: Die Dampfmaschine

Die erste industrielle Revolution beginnt um 1800. Sie wird geleitet durch die Massenproduktion von Maschinen. Diese Maschinen standen in Produktionsanlagen und wurden mit Wasser- oder Dampfkraft angetrieben. Mit ihrer Hilfe konnten viele Arbeitsschritte schneller und einfacher erledigt werden, da die Maschinen mehr Kraft und Konstanz hatten als Menschen. Vor allem die Textilindustrie, die Eisenbahn und die Schwerindustrie profitierten von diesen Errungenschaften. Entgegen aller Befürchtungen wurden durch die Maschinen viele neue Arbeitsplätze geschaffen, bspw. im Bergbau. Die Motoren der Maschinen liefen mit Kohle. Je mehr Maschinen es gab, desto mehr Kohle musste abgebaut werden. Dazu benötigten die Zechen viele Männer.

Industrielle Revolution 2.0: Elektrizität, Akkordarbeit und Globalisierung

Etwa 100 Jahre später begann die zweite industrielle Revolution. Hier kamen mehrere Veränderungen auf einmal zusammen.

Der größte Fortschritt dieser Epoche war die Nutzung der Elektrizität. Viele Arbeiten konnten mit ihrer Hilfe einfacher ausgeführt werden. In Kombination mit der Erfindung der Glühbirne wurde zudem die Arbeitszeit erweitert. Es war nun möglich, auch vor und nach Sonnenauf- und -untergang zu arbeiten.

Im industriellen Bereich war eine andere Einführung noch prägender: die Akkordarbeit. Henry Ford führte 1913 in seiner Fabrik ein Fließband ein, auf dem die Autos Stück für Stück zusammengebaut wurden. So gab es in jedem Abschnitt nur noch einen Arbeitsauftrag, der von wenigen Menschen durchgeführt wurde. Auf diese Weise wurde die Produktion schneller und (kosten-)effizienter. Ford konnte sein Modell T daher deutlich günstiger als die Konkurrenz anbieten. Das sicherte ihm die Marktführerschaft und vielen Leuten ihren Arbeitsplatz.

Der dritte einschneidende Schritt in dieser Zeit war der Beginn der Globalisierung. Rohstoffe, Kleidung und andere Güter wurden zum ersten mal im großem Stil über die Kontinente verschickt. In erster Linie erfolgte das über immer größer werdende Schiffe und Eisenbahnen. Aber auch die Luftfahrt entwickelte sich stetig weiter und konnte bald erste Transportflüge leisten.

Industrielle Revolution 3.0: Automatisierung durch Computer

Die dritte industrielle Revolution kommt eigentlich mit 35 Jahren Verspätung. Bereits 1938 hatte Konrad Zuse den Computer erfunden. Damals galt er aber noch als Spielzeug für reiche Leute. Sinnvolle, vor allem kommerziell erfolgreiche, Anwendungen konnten sich nur wenige Menschen vorstellen. Diese wenigen setzten die ersten Computer in ihren Firmen ein, vor allem um wiederkehrende Prozesse leichter zu erledigen.

In den 1970er Jahren verbreiten sich dann mehr und mehr Computer. Nicht nur in Firmen, auch in privaten Haushalten fanden sich häufiger Bildschirme. Im Vergleich zur Schreibmaschine ist die Textverarbeitung deutlich einfacher, was sich zuerst Banken und Versicherungen zunutze machen. In der Industrie übernehmen Maschinen einzelne Schritte der Reihenfertigung. Für die betroffenen Arbeiter sah es zunächst nach einer Bedrohung ihres Arbeitsplatzes aus und einige von ihnen verloren ihren Job. In der Summe hat der Einsatz der Maschinen aber vor allem für eine sicherere Umgebung gesorgt. Besonders bei schwierigen Produktionsschritten, wie Stanzen oder Schweißen, kamen Roboter zum Einsatz. Dadurch wurde nicht nur die Fehlerquote geringer, es kam auch zu weniger Arbeitsunfällen.

Industrielle Revolution 4.0: Digitalisierung

Aktuell befinden wir uns in der vierten industriellen Revolution. Wie alle ihre Vorgänger auch, umfasst sie aber nicht nur die Industrie, sondern auch das Privatleben. Die Industrie 4.0 ist unter vielen Namen bekannt: Digitalisierung, Internet of Things, Digitale Revolution, Informatisierung etc.

In ihrem Kern steht die digitale Verschmelzung aller Arbeits- und Lebensbereiche. Maschinen kommunizieren untereinander und übernehmen dadurch Aufgaben, die bisher von Menschen erledigt wurden. Ein Beispiel ist die klassische Lagerlogistik. Die Regale melden selbstständig an die Einkaufsroboter, wenn sie wieder Platz haben. Die Einkaufsroboter bestellen daraufhin die passenden Teile.
Genauso läuft es bei der Wartung von Maschinen ab. Es muss kein Techniker mehr im Drei-Monats-Abstand zu den Maschinen gehen und diese überprüfen. Die Maschinen merken selber, wenn etwas nicht rund läuft und informieren selbstständig den Techniker. Prozesse laufen so schneller und effizienter ab.

Die genannten Beispiele sind natürlich nur zwei von Millionen, aber die Tendenz wird klar. Durch die Digitalisierung werden Arbeitsabläufe immer mehr vernetzt ablaufen und das menschliche Eingreifen kann auf ein Mindestmaß reduziert werden.

 

Ich sehe es so

Ein umfassendes Statement zur Digitalisierung würde mehrere Bücher oder sogar Buchbände füllen. Ich halte mich daher kurz, auch wenn meine Einschätzung dadurch etwas pauschal wird.

Die Einreihung der Digitalisierung als industrielle Revolution 4.0 macht aus vielen Gründen Sinn. Ich halte den oben genannten psychologischen für den wichtigsten. Die Digitalisierung wälzt unser gesamtes Leben in einer Weise um, wie wir es noch nie erlebt haben. Das schafft zunächst Angst und Skepsis. Die Neuerungen bieten aber mindestens so viele Chancen, wie jetzt Risiken skizziert werden.

Wenn wir die Digitalisierung mit Verstand angehen, wird sie uns bereichern und neue Chancen eröffnen. Genauso wie ihre drei Vorgänger auch schon.

Glück auf
Stephan

 



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