5 Tipps für die Arbeit im Home Office mit Kindern

Home Office mit Kindern

Flexible Zeiteinteilung.

Sich bei Bedarf um das Kind kümmern.

Keine Urlaubstage für den Besuch beim Kinderarzt verbrauchen.

Es gibt viele Vorteile, wenn du ein Kind (oder mehrere Kinder) hast und im Home Office arbeitest. Die meisten Vorteile entstehen durch die freie Zeiteinteilung, die du bei der Arbeit von Zuhause hast. Oder glaubst zu haben.

Mit Home Office verbinden viele Leute eine geradezu romantische Vorstellung. Endlich morgens im Jogger bleiben. Bequem von der eigenen Couch aus arbeiten, statt unbequem im Büro zu sitzen. Schnell die Wäsche zwischendurch machen, kontrolliert ja keiner.

Die Realität sieht allerdings anders aus. Mit Laissez-Faire kommst du im Home Office nicht weit. Spätestens nach einigen Wochen wirst du merken, wie deine Produktivität runter geht. Wenn dann noch die Kinder deine Zeit fordern, läuft es komplett aus dem Ruder.

Wenn du als Angestellter von Zuhause arbeitest, musst du dich trotzdem an bestimmte Regeln halten.
Das Meeting beginnt um 15 Uhr. Du wirst zugeschaltet, egal ob dein Kind gerade die Schokosoße in der Küche verteilt.
Der Kunde erwartet die Präsentation fertig um 17 Uhr. Es ist ihm herzlich egal, ob du da gerade noch mit der Sesamstraße beschäftigt bist.

Die durch das Home Office gewonnenen Freiheiten können so schnell wieder zusammen schrumpfen.

Als Selbstständiger im Home Office bist du natürlich unabhängiger, aber auch hier wirst du nicht komplett frei von äußeren Einflüssen sein. Im Zweifel musst du dich auch als Selbstständiger an Deadlines, Telefonkonferenzen oder sonstige fixe Termine halten.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich bin ein großer Fan des Home Office. Nicht umsonst habe ich vor zwei Jahren diese Arbeitsform gewählt. Ich habe in der Zwischenzeit aber aus vielen Gesprächen und vor allem eigenen Erfahrungen gemerkt, dass es kein Selbstläufer ist.

Das Home Office kann eine super Sache sein – mit der richtigen Organisation. In den Tag leben funktioniert nicht, es braucht klare Regeln, vor allem im Umgang mit den eigenen Kindern.

Ich habe dir die wichtigsten 5 zusammengefasst, die ich den letzten Jahren selber getestet habe.

 

1. Einen eigenen Raum schaffen

Deine Arbeit muss einen eigenen Raum haben. Du benötigst kein Arbeitszimmer, aber einen festen Ort, an dem du arbeiten kannst. Wo deine Unterlagen auch mal über Nacht liegen bleiben, ohne dass am nächsten Morgen eine Mickey Mouse darauf gemalt ist.

Dieser Ort sollte nicht nur für deine Kinder tabu sein, sondern dient dir auch als psychologische Bremse.

Wenn du von Zuhause aus arbeitest, kommt es zwangsläufig zu Vermischungen von Arbeit und Privatem. Das ist grundsätzlich kein Problem. Sie dürfen nur nicht überhand nehmen.

Dafür brauchst du einen festen Ort. Wenn du dort bist, arbeitest du. Wenn nicht, dann nicht. Das hilft dir, auch mal abzuschalten.

Ich hatte meinen Computer eine Zeit lang im Schlafzimmer stehen. Beim Einschlafen, beim Aufwachen und beim nächtlichen Pinkeln hab ich als erstes den Rechner gesehen. Entspannung geht anders. Mittlerweile ist mein Arbeitsplatz in einem anderen Raum und es klappt viel besser.

Ein fester Arbeitsort hat aber noch einen weiteren Vorteil: Er hilft deinen Kindern, deine Grenzen zu akzeptieren.

Wenn du an deinem Arbeitsort bist, akzeptieren sie das und stören dich nicht. Das ist umso wichtiger, wenn du in deinem Job viel telefonierst oder anderen live Kundenkontakt hast. Ich weiß selber, wie utopisch sich das anhört. Aber ich habe es selber getestet. Ja, es hat gedauert. Dafür klappt es jetzt umso besser.

 

2. Klare Zeiten setzen

Nur weil deine Arbeit immer um dich herum ist, musst du nicht immer arbeiten. Das gilt für Angestellte wie für Selbstständige. Für die gute Organisation im Home Office ist es wichtig, klare Zeiten abzustecken. Und zwar für die Arbeit und für die Freizeit.

Zeit für die Arbeit

Nenne deinem Chef klare Zeiten, zu denen du immer erreichbar bist. Sage ihm aber auch, wann du unterwegs bist. Damit meine ich nicht den Ausflug ins Schwimmbad, sondern den Besuch beim Kinderarzt. Jeder Chef freut sich, wenn man ihm Überraschungen erspart. Wenn er vorab weiß, wie und wann du erreichbar bist, ist es für beide Seiten entspannter.

Antwortzeiten festlegen

Zudem ist es hilfreich, wenn ihr Antwortzeiten festlegt. Bei aller Planung kommen im Alltag immer wieder unvorhergesehene Dinge dazwischen.

PR-Panne, Produktionsausfall, Kunde unzufrieden, Layout-Änderung kurz vor Druckschluss, Personalengpass durch Krankheit.
Die Liste könnte den ganzen Artikel füllen.

Für diese Art von Besonderheiten kannst du mit deinem Chef eine spezielle Kommunikation festlegen. Du versicherst vorab, auf eine solche Anfrage innerhalb von 15/20/45 Minuten zu antworten. Dann muss das Eis nach dem Kinderarzt mal warten.

Zeit für Kinder

Aber auch deine Kinder brauchen feste Zeiten. Es ist am Anfang schwer zu verstehen, warum du nicht mit ihnen spielst. Du bist doch eh Zuhause. Plane deshalb feste Pausen in deinen Alltag ein. Ich rede nicht von den 5 Minuten, die die Pomodoro-Technik vorsieht. Ich spreche von echten Pause, in denen du mit deinen Kindern spielst. Das ist gut für euch beide (oder für euch alle, je nach Kinderzahl).

Klare Zeiten auch als Selbstständiger

Die gerade genannten Tipps gelten ebenso für Selbstständige. Auch wenn du keinem Chef Rechenschaft ablegen musst, freuen sich deine Kunden über klare Strukturen. Das Einhalten von Deadlines ist für mich so selbstverständlich, dass ich darauf nicht genauer eingehe. Aber auch das Beantworten von Fragen etc. solltest du kurzfristig erledigen. Nicht innerhalb einer Minute, aber in einem bestimmten Rhythmus. Diesen gibst du aber vor. Ich habe. gute Erfahrungen damit gemacht, meine Mails nur zweimal am Tag zu lesen und zu beantworten. Meine Kunden und Kollegen können sich darauf einstellen und planen. Das gibt Sicherheit.

Genauso gibt es nach dem Mittagessen eine feste Zeit für das Kind. Dann unterhalten wir uns über den Kindergarten und sie kann mir erzählen, was so passiert ist. Im Anschluss geh ich wieder an den Schreibtisch und sie kann alleine spielen, weil ihr Mitteilungsbedürfnis erstmal gestillt ist.

 

3. Klare Kommunikation vorab

Denk dran, dein Chef wird ungern negativ überrascht. Teile ihm daher vorab mit, wenn etwas Besonderes anliegt. Die nächste U-Untersuchung zum Beispiel.

„Lieber Chef, ich bin am 3.3. um 14 Uhr mit meiner Tochter bei der U7. Das dauert je nach Wartezeit zwischen einer und anderthalb Stunden. In der Zeit bin ich nicht erreichbar. Direkt im Anschluss werde ich aber meine Mails und mein Telefon checken und gegebenenfalls reagieren.“

Es gibt kaum einen Chef, der sich bei so einer klaren Ansage querstellt. Es sei denn, du schickst sie am 2.3. um 23:36 Uhr.

Auch als Selbstständiger kannst du so kommunizieren. Vielleicht nicht wegen der nächsten Untersuchung beim Arzt. Das geht die meisten Kunden einfach nix an. Aber zum Beispiel bei deinem Urlaub. Teile mit deutlichem Abstand vorher mit, wann du nicht da bist. Wenn du für deine Abwesenheit noch eine Vertretung empfehlen kannst, umso besser.

 

4. Kunden gegenüber offen verhalten

Du hast dich perfekt organisiert und alle Tipps befolgt. Deshalb freust du dich auf das Telefonat mit deinem neuen Kunden. Doch mitten im Gespräch kommt es zur Dinosaurier-Invasion. Anführer: dein Dreijähriger.

Jetzt hast du verschiedene Möglichkeiten. Die schlechteste ist es, das Kind zu ignorieren. Es wird nicht ruhiger werden, sondern immer lauter.

Am besten gehst du ganz offensiv mit dem Thema um. Sag deinem Telefonpartner, dass du im Home Office arbeitest. Und dass es gerade anders läuft als geplant. Bitte um eine kurze Pause und biete deinen Rückruf an. Dann kümmerst du dich um dein Kind und erinnerst es noch mal an die Regeln.

So sagst du deinem Kunden klar was los ist und machst einen Vorschlag, um die Situation zu klären. 9 von 10 Kunden zeigen Verständnis, denn auch sie sind Menschen (Ja, wirklich!).

 

5. Hol dir Unterstützung

Bei aller Organisation kann es immer mal wieder zu Problemen kommen. Wir sind halt nur Menschen.

Manchmal braucht man auch einfach nur Zeit um alleine zu Arbeiten. Bei mir ist das bei besonders komplexen Texten der Fall. Dann benötige ich Ruhe und Fokus. Die finde ich im Home Office noch eher als im Büro, aber mit Kindern ist man doch schnell mal abgelenkt.

Wenn du auch solche Phasen hast, denke über Unterstützung nach. Überleg dir vorab, wer dir in besonders stressigen Situationen helfen kann. Können Oma oder Opa einspringen? Oder die Paten?

Dabei geht es nicht darum, die Kinder dauerhaft abzuschieben. Aber eine kurzfristige Überbrückung kommt bei jedem vor.

 

 

Ich arbeite gern im Home Office, auch und weil es sich so gut mit Kindern vereinbaren lässt. Allerdings hat es bei mir länger gedauert, bis ich die Wichtigkeit von klaren Regeln erkannt habe. Seitdem funktioniert es aber umso besser.

Lass mich gerne wissen, wie du deinen Alltag im Home Office mit Kindern organisierst.

Glück auf
Stephan

 



Bildquelle:
© StartupStockPhotos | Pixabay, CC0

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